Aktuelles

06.10.2021
BTHVN2020: Beethovenabend am Geschwister-Scholl-Gymnasium Münster ein voller Erfolg

Am Freitagabend, den 1. Oktober fand im Pädagogischen Zentrum des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Münster-Kinderhaus der lang ersehnte „Beethovenabend“ statt – pandemiebedingt musste er zuvor zweimal verschoben werden. In der vollbesetzten Pausenhalle herrschte eine feierliche und gelöste Stimmung. Eltern, Schüler*innen, Lehrer*innen und andere Kulturfreunde genossen sichtlich die Veranstaltung, auch wenn eine 3G- und Maskenpflicht galt.

Anlass des Abends war das 250-jährige Jubiläum des Komponisten im Jahr 2020, das landesweit unter dem Stichwort BTHVN2020 begangen wurde. Als eine von acht Schulen des Münsterlands hatte das Gymnasium die Möglichkeit erhalten, am Gesamtprojekt teilzunehmen und mithilfe öffentlicher Fördergelder musikalische und künstlerische Ideen umzusetzen, die sich auf den Komponisten beziehen. In einer fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen der Schule und der Landesmusikakademie NRW entstanden schon im Herbst 2019 spannende Konzepte, die ab Februar 2020 in die Praxis umgesetzt werden konnten. Schüler*innen verschiedener Altersgruppen setzten sich intensiv mit dem Komponisten auseinander, wobei die Zugänge inhaltlich und medial höchst divers ausfielen. Die Ergebnisse dieser Teilprojekte wurden an diesem Freitag vor großem Publikum feierlich präsentiert.

Die Schülerin Latifah Salah-Salah (Jahrgangsstufe Q2) eröffnete den Abend mit einer virtuosen Solo-Tanzvorstellung. Verkleidet als Ludwig van Beethoven brachte sie durch ihren mitreißenden Auftritt treffend das Temperament des Komponisten zum Ausdruck. Ein professionelles Klaviertrio der Hochschule für Musik und Tanz Köln huldigte dem Komponisten, indem es die ersten beiden Sätze seines so genannten „Erzherzogtrios“ (Opus 97) zum Besten gab. Die vortrefflich vorgetragene Kammermusik verlieh der Veranstaltung eine besondere Feierlichkeit.

Der stellvertretende Schulleiter Dr. Walter Brinkmann begrüßte die Gäste, nahm Bezug auf Beethovens Geburtstag und äußerte sich dankbar darüber, dass eine solche Kulturveranstaltung nun endlich wieder möglich ist. Auch Dr. Kai Schabram von der Landesmusikakademie NRW zeigte sich erfreut darüber, informierte die Zuschauer über das Gesamtprojekt BTHVN2020 und erläuterte die großen Schwierigkeiten, die sich im Jubiläumsjahr durch Corona ergeben haben. Dem Förderverein der Schule dankte er für die finanzielle Unterstützung des Projekts am Geschwister-Scholl-Gymnasium und Musiklehrer Andreas Kiepe für die gute Zusammenarbeit.

In einem fünfminütigen Dokumentarfilm konnte das Publikum einen Eindruck von der Projektarbeit im Frühling 2020 erhalten. Lehramtsstudierende des WWU-Instituts für Musik hatten unter der Leitung von Prof. Dr. Ilka Siedenburg didaktische Konzepte zu zwei unterschiedlichen Fragestellungen erarbeitet, die sie dann mit Schüler*innen der Einführungsphase umsetzten. Die erste Gruppe hatte das Thema „Beethoven mit allen Sinnen erleben“. Dabei ging es nicht nur darum, Beethovens Hörverlust am eigenen Leib nachzuempfinden, sondern sich grundsätzlich mit einer eingeschränkten Sinneswahrnehmung und deren Auswirkung auseinanderzusetzen. Die zweite Gruppe hat sich mit der Fragestellung beschäftigt, ob Beethoven ein „Superstar“ war oder ist. In den Kursen kamen kontroverse Diskussionen darüber in Gang, was überhaupt die Definition eines Superstars ist und welche Rolle künstlerische Qualität, Popularität, Image, Marketing usw. früher und heute spielen bzw. spielten. Dokumentiert wurde diese erste Arbeitsphase filmisch von Schüler*innen der Kreuzschule Heek unter Anleitung der Medienpädagogin Steffi Köhler aus Münster.

Der Kunst-Leistungskurs der Schule hatte sich in den letzten Monaten malerisch mit Beethoven auseinandergesetzt. Die Ergebnisse konnten von den Besuchern bestaunt werden und regten lebhafte Gespräche an. Jeder der zwölf Lernenden hat sich nach intensiver anfänglicher Recherche über sein Werk und Leben einen eigenen inhaltlichen Aspekt ausgesucht, den er ins Bild setzen wollte. So entstanden großformatige Arbeiten, die den Komponisten mal übertrieben heroisch (z.B. Beethoven als Heiliger), mal als abgestürzten, von der Gesellschaft ausgestoßenen Menschen (z.B. als Obdachloser auf der Parkbank), mal als tragisches Opfer seiner Taubheit (z.B. winziger Beethoven, der in einem riesigen Ohr gefangen ist) zeigen, wie Marie Decker und Felix Wehrmeyer stellvertretend für den Kurs erläuterten.

Im Namen der Fachschaft Musik bedankte sich Andreas Kiepe bei allen, die sich für den Beethovenabend engagiert haben und berichtete darüber, mit welchem besonderen Geist die Projekte die Schule erfüllt haben. Nicht jede(r) Schüler*in habe gleich etwas mit Beethoven anfangen können, doch sei ein Prozess in Gang gekommen, in dem alle ihren eigenen Zugang zum Komponisten gefunden haben. Dieser Abend sei der „schönste Beleg“ dafür.

Höhepunkt des Abends war, gemessen an der Länge und der Lautstärke des Beifalls, das riesige „Papporchester“, das samt dazugehörigem Chor auf fulminante Weise das Finale von Beethovens 9. Sinfonie („Freude schöner Götterfunken“) aufführte. Die 40 Instrumentalist*innen der Jahrgangsstufe 6 hatten die Instrumente zuvor unter Anleitung ihrer Musiklehrerinnen Annette Bergin und Constanze Klein hergestellt und sorgten mit ihrer Darbietung – auch wenn sie natürlich mit einem Augenzwinkern gemeint war – für ein bewegendes Erlebnis.

Mit einer eigenen Klavierkomposition bzw. Improvisation debütierte der Zehntklässler Niko Mokrov, der in zehn Jahren Klavierunterricht schon öfter Beethovenwerke gespielt hat, nun aber immer öfter eigene musikalische Wege sucht. In seine Werke lässt er sowohl seine russischen Wurzeln einfließen (Tongeschlecht Moll, häufige Tempowechsel), als auch Elemente der Filmmusik und der klassischen Musik. Dies alles ist nur teilweise geplant, seine Stücke entwickeln sich bei jeder Aufführung anders.

Die achtköpfige Tanz-AG hatte unter der Leitung der Kunstlehrerin Solveigh Krüger eine anspruchsvolle Choreografie erarbeitet, in deren Mittelpunkt ein virtuoser Komponist steht. Er führt und dirigiert die Gruppe und sorgt für Harmonie und Gleichtakt. Die Präzision und Synchronität der Bewegungen löste einen langen Beifallssturm aus.

Zum Abschluss des Abends trat die Sängerin Julia Benke aus der Jahrgangsstufe Q2 auf. Sie präsentierte den Song „My Future“ von Billie Eilish, begleitet von Marco Arndt (Einführungsstufe) an der Cajon und Musiklehrer Andreas Kiepe am Klavier. Die Moderatorin Greta Stens aus der Q2, die souverän durch den Abend geführt hatte, warf die Frage auf, welche Parallelen sich zwischen Billie Eilish und Ludwig van Beethoven ziehen lassen und inwiefern beide als Stars ihrer Zeit anzusehen sind.

Nach Ende des offiziellen Programms luden die Gemäldeausstellung sowie die Getränke und Snacks des Mensateams noch viele Gäste zum Verweilen ein. Beethovens Motto „Von Herzen – möge es wieder zu Herzen gehen“, war auf vielfache Weise in Erfüllung gegangen.

Text: Andreas Kiepe